Aktuelle Forschungsprojekte am CCA-BW

Aufbau eines mobilen Analysegeräts zur chemischen und strukturellen Untersuchung von festen Materialien mit Hilfe der Röntgenbeugung (XRD), Ramanspektroskopie und Röntgenfluoreszensanalyse (XRF).

Zusammen mit dem Industriepartner Helmut Fischer Institut für Elektronik und Messtechnik GmbH wird am CCA-BW ein Analysesystem entwickelt, das die multimethodische, zerstörungsfreie chemische und strukturelle Charakterisierung von unterschiedlichsten Materialien mit hoher Ortsauflösung ermöglichen wird. Durch seine Kompaktheit, sein geringes Gewicht, sowie den Wegfall von Starkstromversorgung und externer Wasserkühlung, wird es auch den mobilen Einsatz direkt vor Ort ermöglichen. Diese Möglichkeit ist für die archäometrische Forschung essentiell, da vor allem bei Grabungen, in Sammlungen oder in Kulturdenkmälern, in vielen Fällen Artefakte wegen ihrer Größe oder ihrer kulturellen und politischen Bedeutung oft immobil sind oder Ausfuhrbeschränkungen unterliegen. 

 


Peshdar Plain Projekt

Das Competence Center Archaeometry Baden-Wuerttemberg (CCA-BW) hat kürzlich eine Kooperation mit dem Peshdar Plain Projekt der Ludwig Maximilian Universität (LMU) München gestartet. Das in diesem Projekt untersuchte Gebiet liegt in der Provinz Sulaymaniyah der Kurdischen Autonomieregion im Irak, genauer im Distrikt Qaladze direkt an der Grenze zum Iran.

Das Peshdar Plain Projekt unter Leitung von Prof. Karen Radner wurde 2015 ins Leben gerufen und zielt darauf ab, die frühe Geschichte dieses kaum untersuchten Gebiets aufzudecken, wobei der Fokus auf dem Zeitraum vom 9. bis zum 7. Jahrhundert v. Chr. liegt, als das Neu-assyrische Reich diese Region kontrollierte.

Die Forschungsaktivitäten des CCA-BW konzentrieren sich in diesem Rahmen auf die archäometrische Untersuchung verschiedener Materialien (u.a. Keramik, Metall- und Steinartefakte) aus den Ausgrabungsstätten des Projekts.

 

Publikationen zu diesem Projekt:

Radner, Karen; Kreppner, Florian Janoscha und Squitieri, Andrea (Hrsg.) (August 2017): Unearthing the Dinka Settlement Complex: The 2016 Season at Gird-i Bazar and Qalat-i Dinka. Peshdar Plain Project Publications, Bd. 2. Gladbeck: PeWe-Verlag.

 

 


Tavolara Project

Die Insel Tavolara im Nordosten Sardiniens wurde in verschiedenen Perioden von der Jungsteinzeit bis zur Neuzeit besucht. Die jüngste Aufwertung der Keramik aus den Ausgrabungen, die unter der Leitung von Paola Mancini im Gebiet von Spalmatore di Terra durchgeführt wurden, ergab die Anwesenheit von Villanova-Materialien (IX-VIII v. Chr.). Dies ist eine außergewöhnliche Entdeckung, da sie den ersten Beweis für die Anwesenheit von Villanova-Gruppen (wahrscheinlich aus der Tyrrhenischen Etrurie) auf Sardinien darstellt. 

Aufgrund des Potentials dieser Lokalität, zu einer breiten Palette archäologischer Debatten über das prähistorische Inselleben beizutragen, hat ein internationales Team von Wissenschaftlern nun damit begonnen, die dort ausgegrabenen Materialien zu untersuchen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Erforschung der Keramiktechnologie und in diesem Rahmen führt das CCA-BW zusammen mit Professor Kyle Freund vom Indian River State College (USA) in Zusammenarbeit mit der Soprintendenza Archeologia, Belle Arti e Paesaggio per le Province di Sassari e Nuoro, archäometrische Analysen durch.

Die ersten Ergebnisse sind insofern bedeutsam, dass sie die erstaunlich vielfältigen Keramikartefakte des Fundortes zeigen, die Parallelen sowohl auf Sardinien als auch darüber hinaus aufweisen und so einen Einblick in Tavolaras Position innerhalb der trans-marinen Netzwerke der Interaktion zwischen Sardinien, Korsika und dem italienischen Festland geben. Professor Kyle Freund wird das CCA-BW vom 11. -16. Dezember 2017 im Rahmen des Tavolara-Projekts besuchen.

 

http://incostasmeralda.com/2018/01/isola-di-tavolara-lultima-sensazionale-scoperta-archeologica/

 

https://www.olbianova.it/notizie/ritrovamenti-etruschi-tavolara-punto-partenza-verso-qualcosa-piu-grande-aspettiamo-ulteriori-risposte-dalle-analisi-archeometriche/

 

 


Radovanu Projekt

Die kupferzeitliche Siedlung von Radovanu-La Muscalu (4800-4600 v. Chr.) im Süden Rumäniens wurde von dem Archäologen Eugen Comșa über 30 Jahre lang, zwischen 1960 und 1990, mit beeindruckenden Ergebnissen erforscht. Die Hauptsiedlung ist durch eine kurze Besetzung der Vidra-Phase und vier Entwicklungsstadien der  Spanțov-Phase der Boian-Kultur (5200-4550 v. Chr.) gekennzeichnet. Die Ausgrabung dieser Siedlung brachte reichlich archäologisches Material zutage, das aus Keramik, Figuren, Miniaturistenmodellen von Wohnhäusern, Feuerstein-, Knochen- und Geweihwerkzeugen sowie Schmuckstücken bestand, die größtenteils noch unveröffentlicht sind und nun von Dr Ştefan Cristian Eduard untersucht werden. Das Ziel des Kooperationsprojektes zwischen dem CCA-BW und dem Institut für Archäologie der Rumänischen Akademie der Wissenschaften ist es, verschiedene Aspekte der Töpfertradition in Radovanu durch eine Kombination von makroskopischen und archäometrischen Analysen zu erforschen. 

 


CeramEgypt

Im Rahmen des deutsch-französischen, ANR/DFG-geförderten Projekts "CeramEgypt" sollen Keramikproduktionen aus Ägypten von der hellenistischen bis zur römischen Zeit untersucht werden. Dabei werden typologische Studien mit der portablen energiedispersiven Röntgenfluoreszenzanalyse (pXRF, Niton XL3t) kombiniert, um die geochemische Variabilität in den typischen Rohstoffen der ägyptischen Keramikproduktion zu untersuchen, einschließlich Schwemm-, Mergel- und kaolinitischen Tonen. Die dabei gewonnenen archäologischen und geochemischen Daten werden über eine frei zugängliche Online-Datenbank im Rahmen der vom DAI betriebenen "Arachne" zur Verfügung gestellt. Neben dem Einsatz von pXRF werden von Proben ausgewählter Standorte auch Dünnschliffe hergestellt, um Aspekte der Rohstoffauswahl und -Verarbeitung in dieser Region zu untersuchen. Keramiken aus verschiedenen Ausgrabungen wurden bereits beprobt und werden nun in Alexandria weiter untersucht. Zusätzlich werden weitere Standorte durch bereits vorhandenes Material aus europäischen Sammlungen abgedeckt. Am Competence Center Archaeometry - Baden-Württemberg (CCA-BW) werden daraus Dünnschliffe für petrographische Untersuchungen hergestellt, deren Ergebnisse ein wichtiger Bestandteil der endgültigen Veröffentlichung des Projektes sein werden.